Digitale Nomaden – Felicia von www.travelicia.de im Interview mit den gourMETTs

Wir reisen ja bekanntlich sehr gerne und haben oft Fernweh. Und wenn man dann mal im Urlaub ist, geht dieser auch wahnsinnig schnell wieder vorbei. Dann geht es wieder zurück ins oft kalte Deutschland, der Alltag holt einen schon nach wenigen Tagen wieder ein und das Fernweh kehrt zurück. Muss das sein? Tut das Not? Nein! Es geht auch anders!

sie02Wie man seinem ständigen Fernweh nachgibt und das alles mit dem Alltag verbinden kann, erzählt uns Felicia. Sie ist eine sogenannte „digitale Nomadin“ und hat sich damit einen Lebenstraum erfüllt.

Wir haben ihren Blog www.travelicia.de im Netz entdeckt und fanden ihre Geschichten und ihr Leben so interessant, dass wir sie nach einem Interview gefragt haben. er02Sie hat sich nicht lange bitte lassen und unsere Fragen sehr gerne beantwortet:

 

 

gourMETTs: Hallo Felicia! Stell dich bitte mal unseren Lesern vor …

Hi, ich bin Feli, 32 Jahre alt und liebe es, durch die Welt zu reisen. Gerade bin ich wieder aus Mittelamerika zurück nach Berlin gekommen. Den kalten deutschen Winter über war ich in Mexiko, Belize, Guatemala und Honduras.

Ich habe mich jahrelang gefragt, wie ich meine Leidenschaft zu Reisen besser mit dem Beruf vereinbaren kann. Auswandern und im Ausland arbeiten kam für mich nicht in Frage. Da hätte ich schon Schwierigkeiten gehabt, mich für ein Land zu entscheiden. Was ich wollte, war mehr Freiheit und Flexibilität und Selbstbestimmtheit als man sie im klassischen 9-to-5-Job mit 25 bis 30 Urlaubstagen hat.

gourMETTs: Du bezeichnest dich selbst als „digitaler Nomade“. Was ist damit genau gemeint?

Die digitale Nomadin Felicia von www.travelicia.de

Die digitale Nomadin Felicia von www.travelicia.de

Digitale Nomaden sind Menschen, die selbstständig sind und zum arbeiten nur Internet und WLAN benötigen. Das ermöglicht ihnen, ortsunabhängiger zu sein und je nach Art des Jobs auch flexiblere Arbeitszeiten zu haben. Ob man die Vorzüge der Ortsunabhängigkeit nutzt oder nicht ist dabei zweitrangig. Man kann als digitaler Nomade theoretisch also auch einfach immer nur zuhause bleiben.

Sehr viele Menschen haben aber ein falsches Bild von digitalen Nomaden.

Viele schlagen auch einfach mal für längere Zeit in einem Land ihr Lager auf und reisen nicht nonstop oder wie der typische Backpacker.

Wer schon mal richtig lang einfach nur gereist ist weiß, dass auch das nach einer Zeit langweilig werden kann und man eine Aufgabe braucht. Sehr viele digitale Nomaden – so auch ich – haben richtig Lust auf ihr eigenes Business.

Nonstop reisen ohne zu arbeiten kann man höchstens schaffen, wenn man sich ein passives Einkommen aufgebaut hat, für das man nicht mehr allzu viel Zeit aufwenden muss. Zum Beispiel, indem man Produkte verkauft, den Bestellprozess automatisiert und den Versand outsourct. Aber bis dahin ist erst mal viel Arbeit angesagt.

Im Mai veranstalte ich zusammen mit meinem Freund Marcus die 1. Konferenz für digitale Nomaden. Sie wird an einem Wochenende im Berliner Betahaus stattfinden. Mehr Infos zur DNX findest Du unter www.dnx-berlin.de.

Felicia am Flughafen in Honduras

Felicia am Flughafen in Honduras

 

gourMETTs: Du reist viel in der Welt herum. Hast du trotzdem noch ein „Zuhause“? Wo ist das? Und wie oft bist du zuhause?

Auf jeden Fall habe ich ein Zuhause. Mein Zuhause ist momentan Berlin. Allerdings habe ich dort aktuell keine eigene Wohnung mehr. Angebote zur Untermiete gibt es in Berlin aber genügend. Zuhause ist für mich der Ort, an den ich immer zurückkehre, an dem ich mich auskenne, einen Co-Working Space zum Arbeiten habe und viele Freunde.

Wie viel ich unterwegs bin ist unterschiedlich. Gerade habe ich meine perfekte Reisedauer am Stück auf drei Monate festgelegt. Generell finde ich gut sechs Monate unterwegs zu sein und sechs zuhause. Ziel ist auf jeden Fall immer, dem Winter zu entfliehen und einfach auch nicht in Routine zu verfallen. Wenn man sein Leben ständig ändert, wird es nicht langweilig und man freut sich, sowohl loszuziehen als auch nach Hause zu kommen.

 

gourMETTs: Wenn du in fremden Ländern unterwegs bist, wo übernachtest du dann hauptsächlich?

Ich übernachte überwiegend immer noch in einfachen Unterkünften wie Hostels oder Guesthouses. Günstiger und entspannter ist es aber, länger an einem Ort zu bleiben und sich im Ausland ein Apartment für eine bestimmte Zeit zu mieten. Ich denke, darauf wird es in Zukunft eher hinauslaufen. Überall auf der Welt gibt es auch digitale-Nomaden-Hotspots. Hier trifft man Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen kann und hat zum Beispiel auch Co-Working Spaces, in denen man arbeiten kann.

 

gourMETTs: Womit verdienst du deine „Brötchen“? Reicht es, um über die Runden zu kommen?

Einnahmen generiere ich über meinen Blog „Travelicia“ (www.travelicia.de), über Online Angels (http://www.onlineangels.de) sowie Wundersite (www.wundersite.net). Mein Freund Marcus und ich erstellen darüber hinaus auch moderne OnePager-Webseiten oder Blogs für Kunden. Ideen für weitere Projekte haben wir genug. 😉

 

gourMETTs: Was war das außergewöhnlichste/tollste/größte Abenteuer, was du auf deinen Reisen erlebt hast?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Jedes Land und jedes Erlebnis ist für sich genommen schön. Einige meiner größten Abenteuer waren die Besteigung des Kilimandscharo, Wracktauchen in Coron auf den Philippinen, ein Fallschirmsprung am Mission Beach in Australien oder ein Wanderritt durch die Mongolei.

www.travelicia.de

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gourMETTs: Hast du Freunde auf der ganzen Welt kennengelernt?

Auf jeden Fall ja. Wenn man reist, merkt man auch immer wieder, dass man nicht nur in Deutschland gute Freunde finden kann. Mir macht es unheimlich Spaß, andere Kulturen und Denkweisen kennen zu lernen. Letztendlich ticken die Menschen auf der ganzen Welt viel ähnlicher als man denkt.

 

gourMETTs: Wie verständigst du dich? Welche Sprachen sprichst du?

Ich spreche natürlich Englisch. Damit kommt man fast überall auf der Welt weiter. Darüber hinaus spreche ich noch Spanisch – die zweitwichtigste Weltsprache. Hier habe ich meine Kenntnisse gerade noch in Antigua, Guatemala aufgefrischt. Aber selbst in China bin ich durchgekommen, wo man sich wirklich sehr schwer mit gängigen Sprachen verständigen kann. Notfalls nimmt man das kleine „Point it“ Buch für Reisende mit. Da sind Bilder drin, die man zeigen kann. 😉

Hier mehr zu dem Buch für Reisende: „Point it“

 

gourMETTs: Ist dir schon mal was nicht so schönes im Ausland passiert?

Also ehrlich gesagt noch nie. Ich bin noch nie ernsthaft krank geworden, überfallen, ausgeraubt oder bestohlen worden. Ich bin immer so gut vorbereitet, wie es geht und habe Laptop und Wertgegenstände zum Beispiel in einem „Pacsafe“, den man überall mit Zahlenschloss anketten kann. Außerdem besitze ich keine Schmuckstücke oder teure Kamera mit der ich herumlaufe.

So oft höre ich Geschichten wie „Mein Laptop ist weg – ich habe es in einem Dorm Room im Hostel auf dem Bett liegen lassen“ oder „Ich bin überfallen worden als ich betrunken aus der Kneipe in Nicaragua nach Hause wollte“. Manchmal muss man sich eben nicht wundern. Genauso geht man in San Pedro Sula in Honduras, einer der gefährlichsten Städte weltweit, nachts einfach nicht raus.

Hier mehr zum großen: „Pacsafe“ (12 Liter)

Hier mehr zum kleinen: „Pacsafe“ (5 Liter)

 

gourMETTs: Hattest du oft Heimweh?

Ich habe nie Heimweh. Ich weiß ja, dass ich nicht für immer weg bin. Ich genieße die Zeit im Hier und Jetzt, egal wo ich bin. Es war ja meine eigene Wahl, zu reisen. Den Zustand kann man ja jederzeit selbst ändern.

www.travelicia.de

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gourMETTs: Wie geht deine Familie in Deutschland mit deinem Lebenswandel um? // Was haben deine Freunde und Familie zu deiner Entscheidung gesagt?

Meine Familie und Freunde kennen mich natürlich sehr gut und wissen, dass dieses Leben zu mir passt. Da sie alle das Beste für mich wollen, so wie es sich für richtig gute Beziehungen gehört, freuen sie sich für mich und warten immer auf spannende Geschichten. Wenn man sich sieht ist alles wie immer. So muss es sein. Ich bin auch zuhause nicht jemand, der gerne telefoniert oder sich alle paar Tage meldet. Von daher habe ich eigentlich auch nur Freunde, die ähnlich ticken. Meine Eltern wohnen im Rheinland und es macht keinen Unterschied, ob ich das ganze Jahr in Berlin bin oder einige Monate unterwegs. Die Frequenz wie oft ich sie sehe ist dieselbe.

 

www.travelicia.de – Arbeiten in Belize

www.travelicia.de – Arbeiten in Belize

gourMETTs: Würdest du den Schritt ins „digitale Nomadentum“ immer wieder gehen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist extrem spannend, und man lernt wirklich eine Menge dazu und entwickelt sich extrem weiter. Und wenn es einem nicht mehr gefällt, dann lässt man es eben wieder sein. In Deutschland denken alle immer so endgültig. Als würde man sich sein ganzes Leben festlegen, wenn man einmal einen Weg einschlägt. Das ist Quatsch.

 

gourMETTs: Was sind deine 3 besten Tipps für jemanden, der auch „digitaler Nomade“ werden will?

1. Denk nicht, dass es ein einfacher oder schneller Weg dorthin ist. Viele sehen nur das Endergebnis und verdrängen, dass man durchaus hart dafür arbeiten muss.

2. Versuche Dein Geld mit dem zu machen, was wirklich Deine Leidenschaft ist. Das macht nicht nur mehr Spaß, sondern bringt meist auch den größten Erfolg mit sich.

3. Vernetze Dich unbedingt mit Gleichgesinnten, damit Du nicht das Gefühl hast, Du bist anders als der Rest der Welt! :):)

Viele Grüße Feli

 

gourMETTs: Vielen Dank für das nette Interview!