Patrick Hundt von 101places.de

Digitale Nomaden – Patrick von www.101places.de im Interview mit den gourMETTs

Nach der Fragerunde mit Felicia von www.travelicia.de haben wir noch Patrick von www.101places.de für ein Interview gewinnen können. Es geht wieder um das Reisen und Leben an vielen verschiedenen Orten. Viel Spaß mit diesem spannenden Interview.

sie02Wenn man sich für bestimmte Themen interessiert kommt man unweigerlich immer mal wieder auf eine Hand voll Webseiten. www.101places.de war eine davon. Wir haben Patrick Hundt ein paar Fragen stellen können, wie es sich überall auf der Welt so leben lässt. Welche Vorzüge und Ängste das Leben ohne festen Standort mit sich bringt und noch einiges mehr.
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Was sind digitale Nomaden?

So bezeichnen sich Menschen, die arbeiten können, ohne dabei an einen festen Ort gebunden zu sein. Wir arbeiten online und benötigen meist nicht mehr als einen Laptop. Diese Freiheit nutzen wir, um unseren Arbeitsplatz flexibel zu wählen. Einige reisen beim Arbeiten um die Welt, andere verbringen mehrere Monate oder Jahre an einem Ort ihrer Wahl, und wiederum andere brechen nur ein oder zwei Mal im Jahr aus ihrem Alltag aus, um für einen Monat woanders zu leben. Ein digitaler Nomade reist also nicht pausenlos, sondern es ist die Flexibilität und Unabhängigkeit, die seinen Lebensstil auszeichnet.

Wo gefiel es dir am besten und wo eher weniger?

Ich war mittlerweile in 36 Ländern, habe aber noch keine großen Enttäuschungen erlebt. Grundsätzlich hat es mir also überall gut gefallen, aber natürlich habe ich meine Favoriten. In Lateinamerika fühle ich mich immer sehr wohl, aber auch in westlichen Ländern wie Neuseeland. Mich zieht es nicht in die ganz abgelegenen Gebiete außerhalb der Zivilisation, zumal es dann mit der Arbeit schwierig wird. Eine fremde Kultur in Verbindung mit westlichen Annehmlichkeiten ist mir am liebsten.

Wohin willst du Reisen?

Wohin willst du Reisen?

Was gönnst du dir ab und zu nur für dich?

In erster Linie gönne ich mir meinen sehr freien Lebensstil. Wenn ich mir ein Land in den Kopf setze, buche ich ein Ticket und fliege wenig später los. Vor allem dem deutschen Winter entkomme ich so sehr gerne. Ich reise zwar relativ sparsam, gönne mir aber gemütliche Unterkünfte und gutes Essen. Diese beiden Dinge sorgen für meine größten Ausgaben. Das ist es mir aber wert. Dinge kaufe ich mir hingegen so gut wie nie, sondern nur, wenn ich sie brauche. Auf Reisen kann ich ohnehin nicht viel mitnehmen, und was nicht in den Rucksack passt, brauche ich auch nicht.

Würdest du diesen Schritt jederzeit wieder gehen?

Ja. Zwar hat auch dieses Leben nicht nur Sonnenseiten, aber ich war noch nie so unabhängig wie zurzeit. Ich kann über mein Leben bestimmen und bin nicht vom Wohlwollen anderer Menschen abhängig. Das ist für mich unbezahlbar. Das muss nicht heißen, dass ich auf immer und ewig weiterreisen möchte. Aber es heißt, dass ich mir meinen Alltag und vor allem meinen Beruf so gestalte, dass ich flexibel bleibe. Ich bestimme selbst, wo es lang geht.

So sieht Freiheit für Patrick aus

So sieht Freiheit für Patrick aus

Was empfiehlst du, bevor man diese Veränderung im Leben für sich trifft?

Bis auf wenige Ausnahmen funktioniert dieser Lebensstil nur, wenn man selbstständig arbeitet. Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte daher aus meiner Sicht vor dem Schritt hinaus in die Welt erfolgen. Ich habe damals nebenberuflich damit begonnen. Nach meinem Vollzeit-Job ging ich nach Hause und verdiente mir online etwas dazu. So war das Risiko sehr gering. Als recht vorsichtiger Mensch würde ich das auch anderen empfehlen. Wenn die monatlichen Einnahmen solide sind und es auch ein paar Rücklagen gibt, dann kann es los gehen.

Bist du viel alleine?

Ja, ich verbringe mehr Zeit alleine, als den meisten Menschen lieb wäre. Das hat aber nichts mit meinem Lebensstil zu tun. Wenn ich möchte, kann ich unterwegs jederzeit andere Menschen kennenlernen. Ich treffe überall auf Einheimische oder andere Reisende – vor allem wir Deutschen sind in der ganzen Welt unterwegs. Als Introvertierter bin ich jedoch gern allein. Ich verreise in aller Regel ohne Begleitung.

So nah kommt man wohl im Zoo nicht dran

So nah kommt man wohl im Zoo nicht dran

Wie bestreitest du dein Einkommen?

Die meiste Zeit arbeite ich an meinem Reiseblog und den darum entstehenden digitalen Produkten und Büchern. So verdiene ich mittlerweile genug, um gut davon zu leben und reisen zu können. Ungefähr ein Jahr hat es gedauert, bis es soweit war. Konkret bedeutet das: Über einige Länder habe ich Mini-Reiseführer in Form von eBooks veröffentlicht. Damit richte ich mich an bequeme Menschen wie mich selbst, die nicht lange recherchieren oder umfangreiche Reiseführer lesen wollen, sondern die wesentlichen Informationen auf einen Blick brauchen. Diese eBooks verkaufe ich über den Blog direkt an meine Leser. Außerdem arbeite ich derzeit gerade an einem Buch für Backpacker, das es auch in gedruckter Form geben soll.

Darüber hinaus empfehle ich meinen Lesern einige Dienstleistungen und Produkte, die ich selbst auf meinen Reisen verwende, also zum Beispiel Flugsuchmaschinen, Rucksäcke oder Reiseführer. Dafür bekomme ich von den Unternehmen eine Provision, sobald meine Leser ein Produkt kaufen. Hin und wieder platziere ich auch einen Werbeartikel, wobei diese keine große Rolle bei meinen Einnahmen spielen. Das alles zusammen sorgt für meinen Lebensunterhalt.

Wie hältst du Kontakt zu Freunden und Familie?

Den Kontakt mit der Heimat zu halten, ist ja heute denkbar unkompliziert. Meine Eltern und Großeltern rufe ich hin und wieder von unterwegs an (wenn auch nicht allzu oft). Dafür nutze ich Skype. Mit Freunden kommuniziere ich vor allem über E-Mail und Facebook. Das alles ersetzt natürlich nicht das persönliche Gespräch, daher bin ich nicht pausenlos unterwegs, sondern baue immer wieder Heimatphasen in meine Reisepläne ein.

Unterwegs begegnet man doch so allen Spezies

Unterwegs begegnet man doch so allen Spezies

Wie sieht ein typischer Tag aus, wenn du arbeitest und wenn du frei hast?

Wenn ich unterwegs bin, gibt es keinen typischen Tag. Einmal in der Woche nehme ich mir komplett frei und entsage dem Internet. Dann entspanne ich mit einem Buch, gehe wandern, treibe Sport oder mache einen Ausflug. Für gewöhnlich habe ich an solchen Tagen besonders gute Ideen für meine Blogs.

Die anderen sechs Tage einer Woche können sehr unterschiedlich aussehen. Manchmal arbeite ich den ganzen Tag, doch das kommt – zugegeben – nicht sehr oft vor. Wahrscheinlicher ist, dass ich sowohl die Gegend erkunde, als auch ein paar Stunden für die Arbeit reserviere. Auch wenn ich grundsätzlich an sechs Tagen in der Woche arbeite, komme ich auf Reisen nie auf eine 40-Stunden-Woche. 25 bis 30 Stunden sind schon realistischer. Genau genommen bin ich unterwegs also auf Teilzeit. Wenn ich in der Heimat bin, steigt das Arbeitspensum an. Größere Projekte hebe ich mir daher für diese Phasen auf.

gourMETTs: Vielen Dank Patrick für das tolle Interview!